Motivation

Geigen aus Carbon – ein Frevel? Nein, denn hätten die alten Geigenbaumeister wie Stradivari, Guarneri u.a. bereits Faserverbundwerkstoffe gekannt, hätten sie in ihrer außergewöhnlichen Kreativität sicherlich auch damit experimentiert …

Das ist zwar eine Behauptung und Annahme, aber in dem steten Streben nach einem immer vollkommeneren Geigenklang wird seit jeher experimentiert; trotzdem wurde auch mit modernsten Methoden von heute die klangliche Qualität einer Stradivari nicht übertroffen, allenfalls erreicht. Eine Meistergeige aus Holz ist somit ein hoch optimiertes System, und Unterschiede in der Klangcharakteristik sind oft weniger eine Frage der Qualität als der subjektiven Empfindung. Ist damit das ‚Ende der Fahnenstange’ erreicht oder erlaubt die Verwendung moderner Faserverbundwerkstoffe wie z.B. Carbon, die in der Luft- und Raumfahrt und vielen Hochleistungsprodukten schon längst Einzug gehalten haben, einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer ‚vollkommenen Violine’ über die bisherigen Begrenzungen hinaus? Dieser Frage und Herausforderung haben wir uns gestellt - das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen.

 

Faszinierend anders – Emotionen werden geweckt!

Rein äußerlich fällt die Carbongeige durch ihr markantes Erscheinungsbild auf, das geprägt ist durch die glänzende, schwarze und durch die Oberfläche durchscheinende gewebeartige Struktur des Kohlefaserverbundwerkstoffs, kurz genannt Carbon. Die Grundform entspricht zwar einer traditionellen Violine, allerdings weist die Geige auch funktionale Optimierungen und dem Werkstoff angepasste Designideen im Bereich der Schnecke und der F-Löcher auf. Griffbrett, Steg und Wirbel sind nach wie vor aus Holz, um für den Geigenspieler insbesondere beim Griffbrett das gleiche haptische Empfinden zu gewährleisten.

Besonders auffallend sind die ungemein leichte und präzise Ansprache, die große Dynamik und das ausgewogene Klangbild; in Verbindung mit einer guten Intonation wird dadurch ein sehr genaues und besonders ausdrucksstarkes Spiel möglich. Selbst mit extremen Spielweisen werden Sie diese Geige nicht überfordern. Aufgrund dieser Eigenschaften sowie des obertonreichen, klaren und hellen und dennoch weichen Klangs kann diese Geige in allen musikalischen Stilrichtungen hervorragend eingesetzt werden, und sie fügt sich aufgrund vielfacher Erfahrungen sehr gut in Ensembles jeglicher Zusammenstellung ein. Bei solistischen Auftritten oder Einzelbesetzung von Stimmen überrascht diese Geige durch ihre außergewöhnliche Tragfähigkeit im Raum. Selbst in schwierigen akustischen Umgebungen (gedämpfte oder hallige Räume, open air) sind Klangqualität und Tragfähigkeit erstaunlich gut.

Neben objektiv messbaren, akustischen Eigenschaften ist das persönliche Klangempfinden stark subjektiv geprägt und spiegelt auch innere Empfindungen und Erwartungshaltungen wider. Diese Geige ist anders und weckt Emotionen, in jeder Hinsicht – unsere Erfahrungen sagen: bauen Sie keine Vorurteile auf, spielen Sie diese außergewöhnliche Geige und vertrauen Sie auf Ihre eigenen Sinne. Spielen Sie aber die Carbongeige nicht nur kurz an, wenn Sie das wahre Potenzial erfahren wollen. Aber Vorsicht: Risiken und Nebenwirkungen im positiven Sinne sind nicht ausgeschlossen…

Für alle 4 Jahreszeiten

Vergessen Sie alle Sorgen, die Ihnen sonst Temperatur- und/oder Feuchtigkeitsänderungen bei einem Holzinstrument bescheren. Weder ein kalter oder heißer Kofferraum, noch eine ungeheizte Kirche, noch feucht-warmes oder trockenes Klima auf Ihrer nächsten Tournée werden dieser Geige etwas anhaben können. Darüber hinaus ist sie mechanisch sehr robust und wird dadurch zu Ihrem treuen und zuverlässigen Begleiter in „allen Lagen“.

 

Carbon in seiner schönsten Form

Kohlenstoff ist wandlungsfähig und kennt viele Erscheinungsformen, in organischen Verbindungen wie Erdöl und anorganischen Verbindungen wie Karbonatgestein, gasförmig als Kohlendioxid, vom Energieträger Steinkohle über Graphit bis hin zu Diamanten. Kohlenstoff in Verbindung mit Wasserstoff, dem sogenannten Kohlenwasserstoff, bildet die Grundlage allen Lebens auf der Erde.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts kamen Kohlefasern hinzu, wobei erste ‚Naturkohlefasern’ aus Bambus bereits Ende des 19. Jahrhunderts durch Pyrolyse gewonnen und von Edison als Glühfaden für die ersten Glühlampen eingesetzt wurden. Heutige Kohlefasern zeichnen sich durch eine enorme Festigkeit und Steifigkeit aus und sind dabei sehr leicht. Sie werden zu Fasern und textilen Geweben verarbeitet und werden mit verschiedenen Methoden zugeschnitten, in Formen abgelegt oder über Kerne gewickelt. Die Fasergelege werden mit unterschiedlichen Methoden getränkt, wobei häufig Zweikomponenten-Epoxidharzsysteme zum Einsatz kommen. Nach dem Aushärtevorgang entsteht daraus ein mechanisch hochbelastbarer sogenannter Verbundwerkstoff, der vor allem in der Luft- und Raumfahrt und auch im Hochleistungssportgerätebau eingesetzt wird; im Falle eines Verbundwerkstoffs auf Basis von Kohlefasern spricht man kurzerhand von Carbon.

Was macht nun Carbon so interessant für den Geigenbau?

Holz ist ebenfalls ein Verbundwerkstoff mit unterschiedlichen mechanischen Eigenschaften in Faserrichtung und quer dazu. So lange es den Geigenbau gibt, sucht man nach dem optimalen Holz. Verschiedene Holzarten, Wuchsbedingungen, Alterung, Verarbeitung bis hin zur Lackierung stellen dabei die Möglichkeiten aber auch gleichzeitig die materialbedingten Grenzen dar. Im Holzbau wird ein Rohmaterial abgetragen; bei Carbon entsteht das Bauteil mit seiner Dicken- und Steifigkeitsverteilung durch Aufbau eines Geleges unterschiedlicher Faser- bzw. Gewebezuschnitte. Die Bandbreite der Fasereigenschaften ist größer als bei Holz, und die gestalterischen Möglichkeiten zur gezielten Anpassung der Strukturen sind viel größer, was eine weitergehende Optimierung zwar ermöglicht, aber auch komplex macht. Daraus entstehen der Reiz und die Frage, ob mit Carbon die natürlichen klanglichen und spieltechnischen Grenzen einer Holzbauweise überschritten werden können.

Neben den klanglichen und gestalterischen Möglichkeiten führt die Carbonbauweise nebenbei auch noch zu einem mechanisch äußerst robusten und dabei gegenüber Witterungseinflüssen völlig unempfindlichen Instrument.

 

Etwas Werkstoffkunde

Ein wesentlicher Kennwert für die gestalterischen Möglichkeiten bei einer Geige ist die spezifische Steifigkeit eines Materials, d.h. der Elastizitätsmodul wird auf die Dichte bezogen. Sie liegt bei 1,8 g/cm3. Der spätere Verbundwerkstoff weist eine Dichte von ca. 1,4 g/cm3 auf. Die Dichte von Carbon beträgt daher gegenüber Aluminium ca. 50% und gegenüber Stahl nur etwa 20%. Im Vergleich zu den im Geigenbau verwendeten Hölzern ist Carbon rund 3x so schwer, und die Steifigkeit ist ca. 10x so groß wie bei Holz – bezogen auf die Dichte ist damit die spezifische Steifigkeit von Carbon aber mindestens 3x größer als bei Holz. Das Gewicht einer DIAMO-Carbongeige ist dennoch nahezu identisch im Vergleich zu einer Holzgeige, d.h. die Strukturen wie Boden, Decke und Zarge weisen erheblich geringere Wandstärken auf. Von der spezifischen Steifigkeit hängt nun wiederum entscheidend die Schallgeschwindigkeit im Material ab, d.h. bei Carbon ist sie mindestens dreimal so hoch als bei Holz. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass Carbon eine geringere innere Dämpfung aufweist als Holz.

Dies sind wesentliche Gründe, warum eine DIAMO-Carbongeige ungemein leicht anspricht, eine große Dynamik aufweist und aufgrund des obertonreichen Klanges heller und brillianter und dabei dennoch angenehm weich klingt.

 

Herstellung

Eine DIAMO Carbongeige ist kein industriell hergestelltes Serienprodukt, jedes Instrument wird in aufwändiger Handarbeit hergestellt und individuell eingestellt. Für die Herstellung der einzelnen Bauteile kommen modernste Verfahren aus der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz, wie z.B. sogenannte Harzinfusionsverfahren. Nach der Montage wird die Geige sorgfältig ‚gefinished’ und zum Schluss mit einem hochwertigen Klarlack auf Zweikomponentenbasis lackiert. Dadurch sind der Gestaltung des optischen Erscheinungsbildes prinzipiell keine Grenzen gesetzt, soweit dies lackiertechnisch umgesetzt werden kann. Unser Anspruch an Fertigungsqualität, optischem Erscheinungsbild und überragendem Klang führen allerdings zu einem Aufwand, der vergleichbar groß ist wie bei einer traditionell gebauten Meistergeige aus Holz.